Monday, August 18, 2025

Quickie: Ein Gewinner, viele Verlierer

Selten hat die Welt so konzentriert auf einen Punkt auf der Landkarte geschaut wie jetzt gerade am Wochenende nach Alaska, wo sich Trump und Putin getroffen haben. Und selten war allen Beobachtern so klar wie diesmal, dass nichts Gutes herauskommen würde. Ich vermute mal, die meisten von uns haben weniger auf einen diplomatischen Erfolg gehofft, als vielmehr für das Nichteintreten eines erneuten Super-GAUs gebetet. Allein der Umstand, dass die amerikanische Hohlbirne und der russische Kriegsverbrecher über die Zukunft der Ukraine “verhandeln”, ohne dass selbige überhaupt am Tisch sitzt, spricht Bände.

Reden wir mal Klartext. Putin will keinen Frieden. Er will erobern. Trump mag Frieden wollen, aber nicht so sehr des Friedens willen, sondern erstens weil der Krieg Geld kostet, welches einzusparen er dem amerikanischen Volk versprochen hat, und zweitens damit er sich selbst als Heilsbringer darstellen kann. Das ukrainische Volk ist ihm egal. Von daher lässt sich Trump von Putin auch wie erwartet Honig ums Maul schmieren, um anschließend die russischen Friedenspläne (die im wesentlichen auf eine Selbstaufgabe der Ukraine hinauslaufen) als tolle Ideen zu verkaufen - an besonders schlechten Tagen sogar als seine eigenen.

Die Ukraine kommt in dem Spiel gar nicht richtig vor, und das restliche Europa erschreckenderweise auch nicht. Angesichts von Trumps geistigen Alleingängen geht es für uns nicht so sehr darum, die Ukrainer zu schützen und Frieden und Gerechtigkeit wiederherzustellen. Vielmehr suchen die europäischen Staaten (zumindest die nicht-orbanisierten unter ihnen) nach Möglichkeiten, die Russen von weiteren “Militäroperationen” abzuhalten, wobei naheliegenderweise jeder zuerst an die eigenen Landesgrenzen denkt. Angesichts fehlender militärischer Mittel scheint dies auf absehbare Zeit das Hauptziel zu sein.

Und wo steht Deutschland? Wenn wir mal ehrlich sind, weit im Abseits. Merz hat zwar nach Amtsantritt diverse symbolische Besuche getätigt, allerdings ohne dass sich daraus irgendein Nutzen ableiten ließe. Streng genommen haben wir auch noch einen Außenminister (Johann Wadephul, im englischsprachigen Raum als “Wattefuck” bekannt), der jedoch nur auf dem Papier zu existieren scheint. Ich vermute mal, er bereitet sich in guter Kabinettstradition schon mal darauf vor, dass jemand seinen Doktortitel hinterfragt, anstatt Wege zu suchen, auf denen man Putin die Stirn bieten kann.

Im Prinzip tut die Regierung Merz das, was CDU/CSU schon seit Jahrzehnten tun: Sie versteckt sich im zwanzigsten Jahrhundert (bzw. im neunzehnten, im Falle der CSU) und verschließt sich dem Fortschritt mit einer Hingabe, als würde bereits das Leugnen jegliche unerfreulichen Entwicklungen auf der Welt rückgängig machen. In den Oppositionsphasen und insbesondere im Wahlkampf haben Merz und Konsorten es klingen lassen, als wären sie allein in der Lage, Deutschland wieder auf den Pfad der Tugend zurückzuführen. Doch was ist daraus geworden? Nix, nix, und wieder nix. In Europa brennt es, doch unsere Regierung scheitert schon an einer Einigung zum Bürgergeld, von internationaler Politik ganz zu schweigen.

Machen wir uns nichts vor: Das Treffen zwischen Trump und Putin in Anchorage hatte nur einen Gewinner. Putin wurde auf der diplomatischen Bühne wieder willkommen geheißen und kann sich gemütlich in dem Wissen zurücklehnen, dass die Amerikaner dem Rest der Welt jetzt seine Annexionspläne aufdrücken werden. Die Ukraine hat verloren. Europa hat verloren. Eigentlich hat die ganze Welt verloren, weil Trump den russischen Angriffskrieg und Putins Aggression mit seinem Verhalten effektiv legitimert hat. Und ich bin der Meinung, dass die USA ebenfalls verloren haben; sie wissen es nur noch nicht.